Endlich Rennen – oder: Mahrts magischer Mittelfinger

Sankt Peter-Ording (jeb) Und plötzlich ist da wieder dieses zufriedene Lächeln. Sie haben gewartet und gehadert, gehofft und geflucht. Noch am Morgen des fünften Renntages steht es schlecht um die Weltmeisterschaft der Strandsegler. 155 Piloten aus 14 Nationen starren auf eine durchweichte Plate. Der Sturm hat nachgelassen. Aber immer noch steht Wasser auf der Sandbank. Nur die Miniklasse hat mit vier Rennen bereits die Norm für eine Weltmeisterschaft erreicht. Klasse 5 und Standart haben zwei Rennen gefahren, die Klasse 3 sogar nur eines. Und die Klasse 2 nicht ein einziges. Die Stimmung ist so düster wie die Regenwolken am Himmel der letzten Tage. 

Doch am Mittag geht es dann doch los. Der Treck der Desillusionierten setzt sich in Bewegung, erst gen Westen, dann entlang der Wasserkante in den Süden der Sandbank. Das Projekt Hoffnung beginnt. Sollte es doch noch eine WM-Wertung für alle Klassen geben?

Parallel segeln zwei Klassen. Der Wind bläst mit vier Windstärken, die Piste ist glatt gebügelt, fast wasserfrei. Eigentlich langweilig. Karussellfahren. Rauf und runter und wieder rauf und wieder runter. Aber niemand beschwert sich. Hauptsache segeln.

 

Sven Kraja kämpft um Bronze

 

In der Klasse 5 hat Sven Kraja den ersehnten Podiumsplatz fest im Blick. Nach zwei Rennen liegt er Platz 3 im Klassement. Im ersten Rennen festigt der Schleswiger Segelmacher seine Position, fährt wieder aufs Podium: Platz 3. Mit drei Rennen ist auf die WM gesichert. Es wird also einen Weltmeister geben. Im vierten Rennen des Tages fährt Kraja auf den 5. Platz, rutscht damit von einem Podiumplatz. Vor dem letzten Regattatag übernachtet er auf Rang vier, drei Punkte hinter dem Drittplatzierten. Heiko Hartmann liegt als zweitbester Deutscher auf Platz 8, Thomas Bents auf 12. In der Teamwertung der drei schnellsten Piloten einer Klasse hat das Trio noch gute Chancen auf Silber.

In der Klasse Standart begannen die Rennen am ersten Regattatag mit einer faustdicken Überraschung. Michael Müller sauste dem Feld davon und hielt den Vorsprung bis ins Ziel. Nur ein Lucky-Punch des WM-Außenseiters? Leider ja. Nach vier Rennen liegt Müller nur noch auf Platz 16. Mit einem dritten Platz im zweiten Rennen meldete Roland Heß bereits am ersten Tag seine Anwartschaft auf einen vorderen Platz an. Der stille Pinneberger setzte seine Erfolgsfahrten im dritten Lauf fort, kam als vierter ins Ziel, um dann mit einem 16. Platz im vierten Lauf den Anschluss an die Podiumsplätze zu verlieren. Zehn Punkte trennen ihn von Bronze. Manfred Nielsen auf Platz sieben und Waldemar Konopka auf Platz acht sorgen aber für eine solide Leistung – und Hoffnungen auf Silber in der Mannschaft.

Nichts Neues bei den Miniyachten. Nach vier Rennen am ersten Regattatag konnten keine weiteren Läufe finalisiert werden. Etliche Rennen wurden gestartet, mussten aber wegen Flaute oder zu viel Wasser. auf der Strecke abgebrochen werden. Die erfolgsverwöhnten Frauen Barbara Starke und Gitta Steinhusen, Europameisterin und Vizeeuropameisterin im vergangenen Jahr, jagen zwei Französinnen hinterher. Bester Deutscher ist auf Platz 6 Martin Köhle. 

Zum ersten Mal konnte die Klasse 2 am vorletzten Regattatag an den Start gehen – und gleich drei Rennen segeln. Der Juister Jens Markowitz segelte in zwei Läufen sensationell auf Platz 2, einmal belegte er den vierten Platz. Gold ist unerreichbar, der Franzose Xavier Godet siegte in allen Rennen, aber Markowitz liegt mit zwei Punkten Vorsprung auf Silberkurs. Sein Dauerrivale Kurt Wachkamp belegt im Klassement Rang vier. Im ersten Lauf komplettierte Wolfgang Bartling die herausragende Leistung der Gentlemen mit einem vierten Platz. Zu diesem Zeitpunkt lag das Trio in der Mannschaft auf Goldkurs. Doch im zweiten Rennen kickten sich Bartling und sein Teamkollege Marco De Pizzol  gegenseitig in einer Wende aus dem Rennen. Der Traum vom Mannschaftsgold zerbarst wie die Gischt am Strand. Als Neunter geht De Pizzol in den Finaltag, Bartling als Elfter. 

Arnd Mahrt und sein magischer Mittelfinger

In der Klasse 3, der schnellsten Klasse, hatte sich Hans-Werner Eickstädt viel vorgenommen. Viermal wurde er bereits Europameister, zweimal Vize-Weltmeister. Auf seiner Heimstrecke sollte endlich der größte aller Titel seine Sammlung komplettieren. Mit einem dritten, einem vierten und einem siebten Platz dürfte der Traum vom Thron bereits beendet sein. Zehn Punkte trennen ihn von Gold. Zusammen mit dem Franzosen Olivier Imbert liegt er punktgleich auf Platz drei. Nur einen Platz dahinter, aber mit elf Zählern mehr auf dem Konto, belegt Arnd Mahrt den fünften Platz.

Der Dritte der EM im vergangenen Jahr zeigte einmal mehr, dass er unter Schmerzen am besten segelt. Im vergangenen Jahr knockte ihn ein umfallender Segelwagen wenige Minuten vor einem Start aus. Dennoch stieg er in den Wagen und raste aufs Podium. Als am Dienstag dieser Woche die Rennen wegen Sturm abgesagt werden mussten, ging Mahrt in der Brandung kiten. Nachdem eine Welle ihn vom Brett gerissen hatte, verfingen sich die Seile des Kites in seiner Hand und rissen ihm eine Fingerkuppe ab. Nach einer Behandlung im Krankenhaus gleicht sein rechter Mittelfinger einer Dauererektion. Trotzdem stieg er heute bandagiert in der Segelwagen – und segelte im zweiten Lauf aufs Podium: Platz drei. Dass dabei seine Wunde erneut aufriss und vom Notarzt versorgt werden musste, konnte Mahrt nicht von der Teilnahme am vierten Lauf hindern, bei dem er auf Platz 13 ins Ziel kam. Das deutsche Team vervollständigt derzeit Robert Jacobsen auf Platz zehn. Das Trio hat Silber im Visier. 


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