Euro – das Finale: Mahrtmania

Hoylake (jeb) – Die Rechenschieber glühten wie heizgelaufene Kugellager. Hatte Arnd Mahrt mit seinem dritten Platz im letzten Rennen die Bronzemedaille sicher? Noch nie hatte er bei einer Euro in der Einzelwertung auf dem Podium gestanden. Sollte er es diesmal wirklich geschafft haben – trotz aller Widrigkeiten. Kollisionen, Sabotagen und Attacken aus den eigenen Reihen hatte er über sich ergehen lassen müssen, aber nie aufgegeben. Nachdem ihm der Mast eines Ostfriesen hinterrücks niedergestreckt hatte, hatte er sich Minuten später trotzdem wieder in den Segelwagen gesetzt.

Oder sollte Hans-Werner Eickstädt endlich sein Platz-Vier-Trauma bei Europameisterschaften abschütteln. Auch im vergangenen Jahr schien alles möglich: Dann versemmelte ihm das letzte Rennen die erhoffte Medaille. An der Goldmedaille für Ivan Ameele (Belgien) war kaum noch etwas zu rütteln, auch Platz zwei für Olivier Imbert (Frankreich) schien fest vergeben. Aber was war mit Jake Cookson, der Heißsporn aus Cool Britannia, der, auf Platz drei liegend, am Vorabend seinen Geburtstag noch in einem Pub feierte? Und was war mit Egon Plovier, dem zweiten Belgier, der so viele Rennen gewann wie kein anderer Pilot, nämlich vier von sieben, aber wegen Schäden an der Yacht in zwei Läufen bis auf den 26. und 27. Platz durchgereicht wurde. Und was war mit Mahrts Lagerschaden? Letzteren, das sei vorweg genommen, bemerkte Mahrt erst, als er seinen Wagen abbaute.

Europas schnellste Strandsegler: Gold für Ivan Ameele (Belgien), Silber Olivier Imkert (Frankreich) und Bronze für Arnd Mahrt (Sankt Peter-Ording)

Und tatsächlich schaffte er es. Mit vier Punkten Vorsprung auf den Viertplatzierten segelte Mahrt zu seiner ersten Bronzemedaille bei einer Europameisterschaft. Sein direkter Verfolger, der Mann mit dem Dauerabo auf Platz vier: Eickstädt. Es ist die erste Euro, bei der in der Klasse 3 zwei deutsche Piloten in die Top-5 segelten. Und trotzdem ging die Mannschaft in der Teamwertung leer aus. Das zeigt, wie dicht die Spitze mittlerweile in der schnellsten Klasse zusammengewachsen ist. Zusammen mit Roland Gäbler belegte die Troika nur Platz vier hinter Belgien, Frankreich und England.

Versöhnliches Ende: Silber in der Mannschaft für die Klasse 2 mit Wolfgang Bartling (links), Jens Markowitz (2.v.l) und Kurt Wachkamp (3. v.l)

In der Klasse 2 konnten sich allerdings Kurt Wachkamp, Wolfgang Bartling und Jens Markowitz dank einer souveränen Mannschaftsleistung die Silbermedaille hinter Frankreich und vor Belgien sichern. Für einen kurzen waren viele enttäuschende Momente vergessen.

Heute ist nicht alle Tage, wir sehen uns wieder, keine Frage: Nächstes Jahr in Sankt Peter-Ording

Und im nächsten trifft sich der Rennzirkus Anfang Oktober in Sankt Peter-Ording – zur Weltmeisterschaft.


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