Euro Tag 1: Der englische Patient

Hoylake  (jeb) – Fährt er oder fährt er nicht? Das ist hier die Frage. So oder so ähnlich schrieb schon der alte Shakespeare. Sven Kraja, frisch gebackener Europameister in der Miniklasse, und deutsche Hoffnung in der Klasse 5 beim zweiten Teil der Europameisterschaften im englischen Hoylake, beantwortete die Frage am Sonntagabend noch klar und deutlich mit: Nein! Definitiv nicht. Seit Irland laboriert er an einem verschleppten Infekt, hustet, röchelt und schleppt sich von Tag zu Tag – ohne Besserung in Sicht.

Und dann auch noch diese Vorhersage: Etwas Regen, kaum Wind, dafür viel Wasser auf dem Strand, eine Flut, die der Ebbe nicht weichen will. Und das bisschen Strand, was aus dem Wasser lukt, ist laut Rennleitung voller harter Kanten und übersät mit Hindernissen. Deshalb sollen am frühen Morgen alle drei Klassen für jeweils eine Stunde den Strand kennenlernen, bevor die Rennen starten. Welcome to Britannia.

Der Start am Sonntag in die Europameisterschaften für die Klassen 2,3 und 5 war dafür sensationell schnell gewesen. Die Eröffnungszeremonie dauerte ein Pint lang, selbst die Flaggen der teilnehmenden Nationen zuckten schon im lauen Wind.

Das erste Briefing am Strand.

Der erste Renntag an diesem Montag war dagegen alles andere als schnell. Und er kannte nur eine Farbe: Grau. Grau der Himmel, grau das Wasser auf dem Strand und grau das Gesicht von Sven Kraja. Von seinem kategorischen „Nein“ zum Segeln an diesem frühen Morgen war er allerdings abgerückt . Als erster Pilot schob er seine Yacht durch die Pattex-Pampe, die auf vielen hundert Metern die Sandbank vom Yachthafen trennt. Eine Stunde später folgte die Armada der Klasse 3 und als die Gentlemen der Klasse 2 ausgeschlafen hatten, durften auch sie den Strand erkunden. Und so gingen die Stunden dahin, während der Wind immer weniger wurde. Aber: safety first!

Im Hintergrund das Deutsche Quartier. Im Vordergrund großes Unverständnis

Doch wer den Strand von Sankt Peter-Ording kennt, der suchte die Gefahrenstellen vergeblich. Vielmehr schien die Piste wie mit dem Dampfbügeleisen geglättet. Als die Klasse 3 dann endlich auf den ersten Start wartete, schlief zunächst der Wind ganz ein, und als er endlich wieder auf über vier Meter pro Sekunde zulegte, kam bereits die Flut. Nach etwa einer Viertelstunde wurde das einzige Rennen am Eröffnungstag ohne Wertung abgebrochen, da die Irische See sich die Wendemarke zurückholte. Zu diesem Zeitpunkt lag Arnd Mahrt als schnellster deutscher Pilot auf Platz vier.

Das Ende des ersten Regattatages ohne Regatta

Morgen geht es weiter. Hoffentlich. Aber die Windvorhersage verheisst nichts Gutes…


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