Euro – Tag 5: Clever und sMahrt?

Hoylake (jeb) – Grau ist nicht nur alle Theorie, sondern auch wieder Mal der Himmel über Hoylake. Nur ein Rennen pro Klasse ist an diesem letzten Regattatag geplant – und kein deutscher Teilnehmer liegt an diesem Morgen auf einem Medaillenrang. Aber in Lauerstellung. Also wird gerechnet. Wer muss auf welchen Rang fahren, und wer muss von den führenden patzen?

Arnd Mahrt und Hans-Werner Eickstädt können noch in der Klasse 3 den Sprung aufs Podest packen. In der Klasse 2 ist es rein rechnerisch auch noch möglich. Da bilden die YCSPO-Boliden ein Bollwerk auf den Plätzen 4,5 und 7. Und in der Klasse 5…. ach was, Sven Kraja segelt immer noch nicht. Der Rest ist Schweigen.

Der angesagte kräftige Wind lässt am Morgen auf sich warten, dafür hat das Wetter Wolken vorbeigeschickt – und die weinen jämmerlich, weichen den Strand auf wie ein Tempotaschentuch in der Wachmaschine bei 60 Grad. Als erstes müssen an diesem Finaltag die Klasse-3-Piloten an den Start. Der Kurs ist anspruchsvoller als an den Vortagen. Kreuzen und Halsen auf engem Raum, dazwischen Priele und weicher Sand. Keine schlechten Voraussetzungen für die Piloten aus Sankt Peter-Ording. Sie sind Schlammschlachten gewohnt.

Später als geplant lässt die Rennleitung die rote Fahne sinken. Jetzt laufen sie, schieben und springen in ihre Yachten, als ginge es für die Piloten um ihr Leben. Doch der Wind reicht nicht einmal eine Bahn. Nach der ersten Wendemarke, Arnd Mahrt hat sie längst genommen, steht ein Großteil des Feldes. Abbruch und zurück auf die Startlinie. Doch weder Eickstädt noch Mahrt lassen sich aus der Ruhe bringen. Im zweiten Anlauf läuft es besser, der Wind weht beständig und legt von Runde zu Runde zu. Allerdings auch der Regen. Dicke Tropfen prasseln wie die Trommeln des Safri-Duos bei einer Clubhausparty auf die Helme der Piloten. Der Strand wird zur Seenplatte. Es ist das spannendste und anspruchsvollste Rennen der Euro – aber die deutschen Piloten schlagen sich bravourös. Sie zirkeln sich durch das Feld, schlagen Haken wie Hasen und rasen an der Spitze mit. Kurz vor dem Ziel liegt Mahrt an dritter Stelle, Eickstädt auf Platz vier, Roland Gäbler segelt an zwölfter Stelle. Aber reicht das für eine Medaille? Und was ist mit Mahrts Radlager?

Das war mal ein Radlager. Blöd, wenn es im letzten Lauf einer Europameisterschaft zerfällt….

Die Klasse 2 wartet derweil an der Startlinie, lässt den Regen über sich ergehen. Das gestrige Lächeln aus Kurt Wachkamps Gesicht hat Jens Markowitz gestohlen. Der letzte Tag, es könnte seiner werden. Der Wind erreicht mittlerweile in Böen fünf Windstärken, für den Juister wie geschaffen. Nach einem behäbigen Start kämpft er sich mühsam nach vorne, liegt auf dem vierten Platz, als sich ein Franzose vor ihm in der Wendemarke überschlägt. Gelbe Fahne, Rennabbruch, keine Wiederholung, keine Wertung. Aus der Traum von einer Medaille in der Einzelwertung für das deutsche Team. Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen muss nun auf ein gutes Mannschaftsergebnis hoffen. Da stehen die Chancen nicht schlecht. Kurt Wachkamp ist vierter, Wolfgang Bartling fünfter und Jens Markowitz 7.

Die Siegerehrung dürfte nach 19 Uhr deutscher Zeit erfolgen. Dann wird sich endgültig zeigen, wie der fünfte Akt des Dramas ausgegangen ist.


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