Pfingstregatta: 2 Fast 2 Furious

Sankt Peter-Ording (jeb) Selten hatte eine Schlagzeile so prophetischen Wahrheitsgehalt wie die zum Vorbericht der 55. internationalen Pfingstregatta der Strandsegler: Mit „The fast and furios“ war der Bericht überschrieben. Die Schnellen und Wilden. Und genau so sollte es kommen.

Pünktlich zum Regattawochenende strömte kalte Polarluft nach Sankt Peter-Ording. Die Temperaturen purzelten ab Freitag Nachmittag im Stundentakt, dafür legte der Wind minütlich zu (in Böen bis auf gute sieben bis acht Beaufort). Und er drehte von Ost auf Nordwest. Die Folge: Eine schmale Sandbank, die jeden Ausrichter eines Skirennens auf der Buckelpiste glücklich gemacht hätte. Nicht aber die Strandsegler. Dazwischen tiefe Wasserlöcher und modrige Schlammpfützen.

Wie tückisch die Böen sind, hatte bereits ein Klasse-3-Segler am Donnerstag erfahren müssen. Bei einer Wende während einer Trainingsausfahrt wurde er auf der Plate einfach umgeblasen. Segel gerissen, Mast angebrochen, Überrollbügel platt gewalzt – aber seine Pflicht getan: den Sturz abgefedert. Der Pilot blieb somit heil.

Am Samstag kämpfte sich dann der Tross aus Dutzenden Strandseglern wacker bis zum Start südlich der Badestelle durch. Wegen der starken Böen mussten einige der Segler ihre Yachten sogar rückwärts durch die Badestelle schieben. Mehr als eine Erkundungsrunde für jede Klasse war an diesem Nachmittag aber trotz des Aufwands nicht realisierbar. Die Strecke zu gefährlich, der Wind zu stark. Die internationale  Regattaleitung um Andrea Koch entschied, die Rennen abzusagen. Safety first.

Die mutigsten Piloten konnten sich aber dennoch messen. Auf einer etwa einen Kilometer langen Strecke traten die Segler in einem inoffiziellen Speedrennen gegeneinander an außerhalb der Wertung zum Eurocup und Punkten für die Euro-Qualifikation. Gestartet wurde nacheinander, gemessen mit einer Laserpistole. Mit 108 Stundenkilometern bretterte Christoph Hanke am schnellsten über den gesicherten Strandabschnitt – und gewann damit das Rennen in seiner Klasse-3-Yacht. Ebenfalls die 100-km/h-Schallmauer durchbrachen Ivan Ameele (106 km/h), Arne Kelm (105), Norbert Paulsen (105) und Bert Christiaens (101). Für eine Überraschung sorgte Waldemar Konopka, der im deutlich kleineren Standart mit 103 Stundenkilometern gemessen wurde.

Ist unter Segeln schneller, als er an Land aussieht: Christoph Hanke

Ist unter Segeln schneller, als er an Land aussieht: Christoph Hanke

Der Sonntag schien zunächst ebenso zu enden, wie der Samstag begonnen hatte. Starker böiger Wind und Wasser auf der Sandbank, das einfach nicht abfließen wollte. Dreimal wurde das Sicherheitsbriefing verschoben. Als die Hälfte der gemeldeten Teilnehmer bereits ihre Yachten abgebaut und verladen hatte, kam es dann doch noch: das Startsignal. In den Klassen 2, 3, 5 und Standart konnten zwei Rennen gesegelt werden, in der Miniklasse eines. Es waren Rennen hart an der Grenze des Möglichen, bei denen Besonnenheit Vorfahrt hatte vor waghalsigen Zweikämpfen. Und so kehrte das Feld nach stürmischen Stunden unversehrt  zum Yachthafen zurück.

In der Klasse 3 siegte Ivan Ameele (Belgien) vor Hans-Werner Eickstädt (Deutschland) und Francois Noguier (Frankreich). In der Klasse 2 setzte Jens Markowitz seine Siegesserie fort und konnte seinen einzigen Konkurrenten Wolfgang Bartling auf Distanz halten. Bei den Standarts siegte Speedmaster Waldemar Konopka vor Stephan Naujoks und Anke Münch. Sven Kraja, der Weltmeister von 2012, sattelte kurz vor dem Start von der Klasse 5 in die Miniyacht um und gewann erwartungsgemäß das Rennen. Für eine Überraschung sorgte das Nachwuchstalent Matthias Boecker aus Heidelberg, der auf Platz zwei segelte. Noch vor dem erfahrenen Wassersegler Robert Jacobsen.

Pfingsten International 2016 gesamt


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