Sechs Taufen und ein Ego-Fall

Sankt Peter-Ording (jeb) – Eigentlich ist Sven Kraja ein extremer Langweiler. Der Segelmacher aus Schleswig schafft es, aus jeder Klasse, in der er segelt, eine One-Man-Show zu machen. Das ist in der Klasse V so, die er seit Jahren dominiert. Und auch bei den Miniyachten hat er ein Abo auf den Sieg abgeschlossen. Kein Kraut scheint gegen Kraja gewachsen zu sein. In der jüngsten Segelklasse der Strandyachten hat er bereits alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Kraja wurde der erste Weltmeister in der Miniklasse, er ist amtierender Europameister – und natürlich auch Deutscher Meister.

Kraja kringelt gelangweilt über die Sandbank und mit jedem Schlag vergrößert er den Abstand zum restlichen Feld. Spannend ist das nicht. Weder für die Zuschauer, noch für Kraja selbst. Der einzige, der Kraja gefährlich werden kann, ist Kraja selbst. Dann, wenn er mal wieder seine Yacht zerlegt – oder, wie bei der Osterregatta geschehen, den Kurs der großen Yachten ansteuert und das gesamte Feld ihm wie die Lemminge folgt. Die Folge: Keine Wertung, weil die falsche Wendemarke genommen wurde.

An diesem Wochenende aber sollte alles anders werden. Um endlich mal herausgefordert zu werden, hat sich Kraja beschwatzen lassen, in der  boomenden Standart-Klasse zu starten. Die kleine Einheitsklasse wird bislang dominiert von Männern mit großem Ego. Fast sah es schon so aus, als würde die Klasse für immer und ewig ein Nischendasein in Deutschland fristen. Als selbst Manfred Nielsen plötzlich in einer Klasse-3-Yacht an den Start, schien das Siechtum besiegelt. Doch die verhängnisvolle Affäre mit der größeren Yacht währte nur kurz.

Nur wenige Rennen war Nielsen dem Reiz der rassigen Schönheit erlegen. Bändigen konnte er sie aber nicht. Also kehrte er zurück zu den Standarts und versprach die Klasse wiederzubeleben. Ein Mann, ein Wort. Erfahrene Klasse-3-Piloten wie Kay-Enno Brinck, Nils Münch und Vincent Letellier sind bereits unter die Standart-Piloten gegangen. Zudem hat Manfred Nielsen seinen Filius unter seine Fittiche und in die Pflicht genommen. Binnen weniger Monate avancierten die Standarts so zur Nummer zwei hinter den Miniyachten, was die Starterzahlen anbelangt. Lange Gesichter gibt es dagegen bei den Klassen 2 und 3, die plötzlich mit so wenigen Piloten an den Start gehen, wie schon seit Jahren nicht mehr.

Im Aufwind: Die Klasse Standart feiert sich und sechs neue Yachten. Na dann, Prost!

Und so konnten an diesem Wochenende zu wummernden Bässen und kaltem Bier gleich sechs neue Standart-Yachten getauft werden. Manfred Nielsen gönnte sich eine neue Yacht, ebenso wie sein Sohn Michele. Kay-Enno Brink, Vicent Letellier und Nils Münch feierten ihren Wechsel. Und eben auch Sven Kraja, der die alte Yacht von Manfred Nielsen  übernommen hat. Er baute sie auf, setzte sich das erste Mal in einem Standart, testete kurz und ging am nächsten Morgen an den Start, um das zu tun, was er immer tat: Er düpierte seine Konkurrenz, in dem er sie nicht nur deklassierte, sondern vorführte. Im ersten Rennen in der neuen Klasse überrundete er gleich das komplette Feld. Und auch am zweiten Tag siegte er in allen Läufen. Immerhin gelang ihm das Kunststück des Überrundens kein zweites Mal, was schon fast einen Hauch Spannung versprach. Vier Rennen, vier Siege. Man kann sagen, Krajas Einstand ist gelungen. Zweiter wurde Waldemar Konopka vor Stefan Naujoks.

Blieb nur eine Frage: Wer würde nun bei den Miniyachten die Führungsrolle übernehmen? Einiges sprach für Sven Harder, den Vize-Europameister. Trotz Rippenbruchs setzte sich Harder am ersten Tag bei einem lauen Lüftchen in den Segelwagen, musste aber aufgeben, weil die Schmerzen zu groß waren. Die Gunst der Stunde nutzte zunächst Gitta Steinhusen, die amtierende Vize-Europameisterin, um der weiblichsten aller Segelklassen ihren Stempel aufzudrücken. Doch einer sollte ihr dazwischen funken: Rüdiger Grassy. Den langjährigen Rennleiter in Rente hat es wieder auf die Strecke verschlagen. Seelenruhig, fast gelangweilt, offenbarte der Oldie sein Talent.

Dabei kann man sagen: Grassy hat den Schuss nicht gehört. Zumindest einmal nicht. Im zweiten Rennen verpasste er den Start, wunderte sich wohl, warum das komplette Feld plötzlich an ihm vorbei fuhr. Statt zu folgen, segelte er stoisch zur Rennleitung und fragte, wann denn das Rennen gestartet würde. Schelmisch lachte er kurz auf, als er hörte, das Rennen laufe bereits, zog erst an der Schot, und dann an einem nach dem anderen Segler vorbei. Als letzter war er über die Startlinie gegangen, an der ersten Wendemarke lag er bereits auf Platz zwei. Nach sechs Wettfahrten siegte Grassy sogar in der Miniklasse, zweite wurde Gitta Steinhusen vor Frank Beugholt. Auf den vierten Platz segelte das Nachwuchs-Talent Michel Boldyreff.

Die Klassen 2 und 3 segelten an diesem Wochenende nur drei Rennen, dass heißt, nur drei Rennen wurden gewertet, zwei Wettläufe mussten abgebrochen werden, nachdem dem Wind die Puste ausgegangen war. Arne Kelm und Hans-Werner Eickstädt lieferten sich spannende Zweikämpfe an der Spitze. Nachdem Kelm am ersten Tag einen knappen Vorsprung ins Ziel rettete, musste er am zweiten Tag Eickstädt den Vortritt und damit auch den Sieg lassen. Dritter wurde Roland Gäbler, der sich von Rennen zu Rennen an die Spitze der Klasse-3 heranrobbt. 

In der Klasse-2 nutzte Karsten Meier die Abstinenz der Leichtwind-Experten Kurt Wachkamp und Andy Gerlach gnadenlos aus und verwies den sturmerprobten Juister Jens Markowitz auf Platz zwei. Dritter wurde Sascha Baeyer.

Results:

Lindemann-Pokal, Block III alle Klassen


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