1990, World Cup USA

World Cup in Amerika

Strandsegeln jenseits des Atlantiks

Seit Beginn der 60er Jahre stehen die europäischen Strandsegelvereine im weltweiten Kontakt. Schließlich lässt es sich auch gut auf Stränden, Salzseen und Flugplätzen anderer Kontinente segeln … 

Die Strandsegelwelt rückte daher immer weiter zusammen. Das führte schließlich dazu, dass sich die Verantwortlichen der FISLY Ende der 80er Jahre mit Kollegen aus den USA trafen.

Über den großen Teich

Eines der Ergebnisse dieser Zusammenkunft war der Beschluss, den ersten World Cup in Amerika ins Leben zu rufen: Vom 8. – 13. April 1990 auf dem Yvanpah Dry Lake in Kalifornien, etwa vierzig Meilen südwestlich von Las Vegas.

Im Februar dieses Jahres trafen sich also 21 Piloten in Hamburg an der Spedition Nord-Süd von Clubmitglied Heia Lange, um den von Hapag Lloyd gesponserten Container zu beladen. Hinzu kamen ein paar belgische Teams, deren Segelwagen mit in den Container gingen und mit nach Kalifornien verschifft wurden. Heia Lange kümmerte sich um den gesamten Transport, während Egbert Rauch, zu dieser Zeit Clubsekretär, für Unterkunft und Flüge sorgte.

Am 5. April 1990 landete die Mannschaft des YCSPO um 17 Uhr am Los Angeles International Airport. Fahrzeuge waren von Deutschland aus bereits angemietet und so fuhren alle in den Abend hinein auf dem Highway 15 in Richtung Las Vegas. Ihr Weg führte bald in ein scheinbar unendliches Tal, an dessen Sohle bunte, flackernde Lichter zu sehen waren: Das Hotel, eines der drei Häuser im Ort und Whisky Pete’s genannt. Durchaus gewöhnungsbedürftig, doch großzügige, komfortable Zimmer für zehn Dollar die Nacht entschädigten. 

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Banges Warten …

Nach einem typisch deftigen amerikanischen Frühstück ging es gleich am nächsten Morgen auf den Salzsee. Nach rund drei Meilen fand das YCSPO-Team ein großes Camp von Wohnmobilen, umzingelt von vielen Segelwagen vor. Nur keine aus St. Peter-Ording. Krisensitzung: Der Container vom YCSPO steckte offensichtlich noch im Panamakanal fest, da das Schiff einen Motorschaden hatte. Okay, nun denn. 

Am Tag darauf ebenso kein Container. Langsam, langsam sollte nun was passieren.

Dann endlich donnerte an Tag zwei eine Staubwolke über den Salzsee. Aus deren Schwaden enthüllte sich schließlich ein großer LKW mit dem YCSPO-Container. Allgemeines Aufatmen und verpasst war zum Glück auch noch nichts. Denn bis zu diesem Tag herrschte Windstille am Yvanpah Dry Lake.

Erster Startschuss in Übersee

So konnten die Wettbewerbe nun auch für die YCSPO-Mannschaft beginnen. Gestartet wurde in fünf Klassen, wobei die US-Amerikaner nur eine Klasseneinteilung nach Segelfläche, die auch der FISLY-Einteilung entspricht, kannten. Weitere Beschränkungen in Bezug auf Länge und Breite gab es nicht. Das lag im betonharten Untergrund der riesigen Fläche begründet – Länge läuft. 

Die US-Strandsegler waren unter diesen Bedingungen klar im Vorteil, so sehr sie sonst auf europäischen Stränden auf Grund der Ausmaße das Nachsehen hatten.

Bei Temperaturen um die 35 Grad wurden insgesamt vier Rennen gestartet. Für mehr genügte der Wind leider nicht. Am Start waren in den fünf Klassen 160 Teilnehmer aus Dänemark, Belgien, Frankreich, Niederlande, Groß-Britannien, Australien, Neuseeland, Kanada, USA und aus Deutschland, vom YCSPO. Dessen Piloten schnitten trotz aller widrigen neuen Voraussetzungen gut ab. 

Am Ende des World Cups wurde der YCSPO-Container bei brühender Hitze dann wieder beladen und auf die Reise gen Heimat geschickt. Das Clubteam verstreute sich daraufhin in alle Himmelsrichtungen, um in der zweiten Woche des Aufenthalts möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu besuchen – als da beispielsweise wären Las Vegas, Death Valley, San Francisco, Carmel, Highway No. 1, Universal Studios und der Gran Canyon. So mancher im YCSPO-Team soll damals in fünf Tagen mehr als 5.000 km zurückgelegt haben …