Wachablösung, Wachkamp und zwei Frauen, die den Männern über den Kopf wachsen

Sankt Peter-Ording (jeb) Fußballkommentatoren bemühen häufig die Statistik, wenn sie über ein Duell berichten. Das mag beim Rasensport manchmal zielführend sein, beim Strandsegeln ist es das offensichtlich nicht. „Irgendwas über 30“ zu 1 stand es bis vergangenes Wochenende. Ziemlich eindeutig. Hans-Werner Eickstädt (Emmerich) muss lange überlegen, dann schüttelt er den Kopf, zuckt mit den Schultern. Er weiß es nicht genau. „Irgendwas über 30 Mal“, sagt er dann. Er meint gewonnene Deutsche Meisterschaften. Arne Kelm (Kiel) hat die Zahl sofort parat. „Ein Mal.“ Das war 2013. Danach setzte er zwei Jahre aus. 2014 düpierte der Belgier Ivan Ameele die deutschen Segler auf heimischem Revier, 2015 fiel die Deutsche Meisterschaft der Flaute zum Opfer. Zeit also für eine Revanche!

Routinier gegen Newcomer – nicht nur in der Klasse 3 sollte es das Thema dieser Deutschen Meisterschaften sein. Auch in der Klasse 2 wollte nach einer suboptimalen Vorsaison Grand Seigneur Kurt Wachkamp (Hattingen) zeigen, dass die Sandbank vor Sankt Peter-Ording sein zweites Wohnzimmer und er nicht gewillt ist, den Platz in der ersten Reihe abzugeben. Und bei den Miniyachten? Da wurde gleich die Geschlechterschlacht ausgerufen.

Projekt Wachablösung

Das Projekt „Wachablösung“ in der Klasse 3 begann nach Plan, bei strahlendem Sonnenschein, dafür nur mit wenig Wind. Während ein Teil des Feldes fluchend ihre Segelwagen durch wilde Kraterfelder, tiefe Priele und weichen Sand schob, segelte die Spitzengruppe Runde um Runde. Und vorne weg: Arne Kelm. Souverän gewann er den ersten Lauf. Doch dann schlief der Wind ganz ein. Gelbe Fahne. Das zweite Rennen musste abgebrochen werden.

Am zweiten Tag frischte der Wind auf. Leider nur kurz. Zum Startschuss tanzten die Fähnchen dann lediglich einen langsamen Walzer, aber es reichte für den Start. Etwas mehr als vier Meter pro Sekunde Geschwindkeit zeigte der Windmesser der Rennleitung um Andrea Koch und Rüdiger Grassy. Gerade genu, um den Regeln der Weltorganisation Fisly gerecht zu werden.

Hans Werner-Eickstädt wollte die Schmach vom Vortag wettmachen. Nach seinem Selbstverständnis ist der zweite Platz bereits der erste Verlierer. Er erwischte einen guten Start, fand den optimalen Weg und gab die Führung bis zur schwarzweißen Zielfahne nicht mehr ab. Mit seinem Start-Ziel-Sieg übernahm Eickstädt auch gleich die Gesamtführung. Arne Kelm hatte sich verzockt. Er hatte mit mehr Wind gerechnet, zu viel Ballast an Bord und das falsche Segel gewählt. Besonders ärgerlich für ihn: Auch Arnd Mahrt (Sankt Peter-Ording) segelte an ihm vorbei. In der kurzen Pause zwischen den Rennen  bastelte Kelm an seinem Segler, tauschte das Segel. Doch auch im dritten Lauf dominierte Eickstädt vor Kelm. War’s das schon mit der Wachablösung?

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Arne Kelm in seiner G9 // alle Bilder: Kai-Uwe Eilts (www.flickr.com/photos/frogsail-ontour)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kelm zeigte Kämpferqualitäten, gab nicht auf. Noch war alles drin. Im vierten Lauf fand er den besten Kurs und damit wieder zurück in die Spur. Die Miniserie seines Kontrahenten war gestoppt. Kelm vor Eickstädt – und beide in der Gesamtwertung gleich auf, da nach vier Rennen das schlechteste Ergebnis gestrichen wird. Die Flut setzte ein, der ohnehin schwache Wind schwächelte noch mehr. Noch einmal musste das Feld an den Start, das letzte Rennen über Gold entscheiden. Und da dominierte erneut Arne Kelm und sicherte sich die Deutsche Meisterschaft. Vor Hans-Werner Eickstädt und Arnd Mahrt. Auf Platz vier segelte souverän Kay-Enno Brink. Die Favoriten haben sich durchgesetzt.

Wachkamps Erwachen

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Auch in der Klasse 2, die erstmals seit langer Zeit dank steigender Pilotenzahl wieder eine offizielle Deutsche Meisterschaft aussegelte, konnte man der Statistik nicht trauen. Die Qualifikationsregatten für die Europameisterschaft, die Ende September in Frankreich stattfindet, hatte Jens Markowitz (Juist) dominiert. Auf Platz 2 war Wolfgang Bartling (Münster) gefahren. Dritter wurde Andy Gerlach (Würzburg). Doch bei den meisten der Regatten blies starker Wind. Verhältnisse, die Kurt Wachkamp, so gar nicht mag. Bei Schwachwind kann er sein Gespür nutzen, den Strand lesen – das Millimeterspiel an der Schot beherrscht er. Perfekte Bedingungen also für ihn bei den Deutschen Meisterschaften. Und die nutzte er. Wachkamp siegte in vier von fünf Rennen. Nur im letzten Rennen konnte ihn der Kieler Karsten Meyer auf der Ziellinie abfangen. Die Goldmedaille aber war Wachkamp nicht mehr zu nehmen. Hinter ihm sicherte sich Andy Gerlach Silber, auf den Bronzeplatz segelte Meyer. Für Jens Markowitz, der mit den Spätfolgen eines Bandscheibenvorfalls zu kämpfen hatte, blieb nur der unliebsame vierte Platz.

Frauenpower

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Starke Marke: Barbara Starke, Deutsche Meisterin in der Miniklasse

Bei den Miniyachten ging es nicht um den Kampf alt gegen jung, sondern Mann gegen Frau. Dass Strandsegeln oft als Männersport gesehen wird, widerlegten Barbara Starke (Hamburg) und Gitta Steinhusen (Schleswig) eindrucksvoll. In den drei gesegelten Wettfahrten ließen sie den Männern keine Chance, teilten die Siege schwesterlich unter sich auf. Fuhr am Samstag Gitta Steinhusen als erste über die Ziellinie, konterte Barbara Starke am Sonntag mit einem Sieg. Auch in der Miniklasse musste also das letzte Rennen die Entscheidung bringen. Und das entschied die Hamburgerin für sich. Zu Bronze segelte das Nachwuchstalent Matthias Boecker (Heidelberg).

Nichts Neues in Klasse 5

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Manfred Nielsen, schnellster Standart-Pilot

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zudem ermittelten die Piloten der Klassen Standart und Klasse 5 ihre Besten. Hier reichte die Teilnehmerzahl nicht aus, um nach den Regeln des Deutschen Segler Verbandes (DSV) eine offizielle Meisterschaft auszusegeln. Manfred Nielsen (Buxtehude) gelang eine beachtliche Aufholjagd. Beim ersten Rennen belegte er lediglich Platz vier. Doch mit zwei Siegen am Folgetag segelte er zu Gold. Silber holte Roland Heß vor Waldemar Konopka (Hamburg).

Wenig überraschend das Ergebnis bei der Klasse 5: Der Schleswiger Segelmacher Sven Kraja ging als Favorit an den Start. Der Titelverteidiger siegte in allen drei Läufen, zweiter wurde jeweils Heiko Hartmann (Emden) und dritter Helge Bents (Langeoog).

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Langweilig: Wieder mal siegte Sven Kraja in der Klasse 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und hier geht es zu den Gesamtergebnissen


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