Wasser marsch!

Sankt Peter-Ording (jeb) – Sein Lachen klingt wie sich feiner Sand zwischen Zähnen anfühlt. Rau, knirschend, dreckig. Hans-Werner Eickstädt hat sich durchgesetzt, die Rennleitung seinen Wunsch erhört. Jetzt steht er da, am endlosen Strand von Sankt Peter-Ording, die Augen zu Schlitzen zusammengekniffen blinzelt er in die Aprilsonne und lacht sein markantes Lachen, als aus dem Walkie-Talkie von Andrea Koch die Stimme von der Wendemarke Mallorca krächzt, alles sei vorbereitet. Rüdiger Grassy inhaliert noch einmal kräftig, kichert den blauen Dunst in den kalten Wind: „Joah, das wird dann ein bisschen nass da hinten.“ Mit „da hinten“ meint er die Sandbank kurz vor dem Böhler Priel, die nur an wenigen Tagen im Jahr zu erreichen ist. Wo der harte Sand sich anfühlt wie gesprungener Asphalt auf der Autobahn an Hitzetagen. Nur, dass auf der Piste daumendick Wasser steht und Priele wie Flüsse die Fahrbahn queren.

Hans-Werner Eickstädt auf dem Weg zum Sieg. Foto: Andrea Koch

Hans-Werner Eickstädt auf dem Weg zum Sieg. Alle Fotos: Andrea Koch

Quälen für die Quali

Es ist ein Saisonauftakt nach Maß. Zumindest am zweiten Tag des Erich-Gerhorst-Pokals, dem zweiten von sechs Akten, an deren Ende feststeht, wer die Qualifikation für die Europameisterschaft 2017 geschafft hat. Die Klassen Mini, Promo und Standart kämpfen dieses Jahr in Irland um Edelmetall, die Klassen 2, 3 und 5 im englischen Hoylake.

4 + 4 = 0

Der erste Renntag fiel der Flaute zum Opfer. Zwar starteten alle Klassen einmal, aber erst ging dem kurzzeitig auffrischenden Wind die Puste aus, dann den Piloten beim Schieben. Am zweiten Renntag aber war alles perfekt. Die Piste, der Wind und sogar die Sonne war da. Genauso wie der Wunsch nach Action. Und so ließ sich die Rennleitung um Andrea Koch und Rüdiger Grassy nicht lange bitten und verlängerte für die Klassen 2 und 3 die Strecke um einige Kilometer bis ans Ende des Horizonts und gefühlt noch etwas weiter.

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Sven Harder (G 64) vor Robert Jacobsen (F 80) und Christoph Hanke (G 30)

Wassersegler spült an den Strand

Es war das Wochenende von Hans-Werner Eickstädt, dessen ärgster Konkurrent der vergangenen Saison, Arne Kelm, den Strandsegler gegen Vaterfreuden getauscht hat. Vier Rennen, vier Siege – das macht null Punkte und Platz eins. Auf Platz zwei segelte ungefährdet Arnd Mahrt, auf Platz drei Christoph Hanke, dicht gefolgt von Sven Harder. Ansprüche auf vordere Plätze meldete in seinen ersten Rennen in der Klasse 3 der erfahrenen Wassersegler Robert Jacobsen an, der die Yacht von einem der besten Piloten Europas, Olivier Imbert aus Frankreich, übernommen hat. Stoppen konnte ihm im vierten Rennen nur eine gebrochene Planke.

Leicht bricht leicht

Bereits zu Beginn der Regatta musste Kay-Enno Brink lernen, dass leicht zwar schnell ist, aber eben auch leicht bricht. Er hatte sich einen Karbonmast anfertigen lassen, mit zwölf Kilogramm leichter als eine Kiste Bier, der aber schon nach einem Rennen genauso geknickt war, die Kay-Enno Brink nach dem Malheur.

Zweikampf zwischen Arnd Mahrt und Nils Münch

Zweikampf zwischen Arnd Mahrt und Nils Münch

Gäblers Gabelproblem

Nach Jahren der Abstinenz im Strandsegler nahm Roland Gäbler wieder im Cockpit Platz. Gäbler ist einer der erfolgreichsten deutscher Segler. Im Tornado siegte er bei mehreren Europa- und Weltmeisterschaften und holte bei seinen vierten Olympischen Spielen 2000 in Sydney die Bronzemedaille. Auch auf dem Strand konnte er zu den Spitzenpiloten aufschließen, im letzten Rennen musste er wegen eines Radlagerschadens am Vorderrad auf den Start verzichten.

Markowitz macht’s

In der Klasse 2 hatte im vergangenen Jahr Jens Markowitz die Qualifikationsregatten dominiert, aber ausgerechnet bei den Deutschen Meisterschaften gepatzt. Platz vier war alles andere als sein Anspruch. Wo der liegt, zeigte er am Wochenende. Vier Rennen, vier Siege. Routinier Kurt Wachkamp folgte ihm auf Platz zwei, Dritter wurde Andy Gerlach.

Frauenpower

Mit zwei Siegen und einem zweiten Platz gewann Barbara Starke die Mini-Klasse. Nur das Nachwuchstalent Harald Fien konnte im dritten Rennen an ihr vorbeiziehen. Auf Platz drei segelte Momme Nissen.

Dauerduell

Bei den Standarts kam es zum Dauerduell zwischen Waldemar Konopka und Manfred Nielsen. Das erste der drei Rennen konnte Nielsen noch für sich entscheiden, dann konterte Konopka und fuhr zwei Siege ein. Auf Platz drei segelte Michael Müller. Als einziger Promo-Pilot kämpfte Segelnachwuchs Justus Hanke gegen die Standarts und hielt sich wacker.

 

 


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