Wellness auf Nordfriesisch

Sankt Peter-Ording (jeb) – Die einen nennen es Wellness, die anderen Strandsegeln. Es ist das perfekte Hautpeeling, wenn sechs bis sieben Windstärken den feinen Sand über den Strand peitschen und die Körner wie Schmirgelpapier das Gesicht massieren. Dazu eine Kneippkur in der Natur – unbezahlbar. Wadentiefes Salzwasser, erfrischend fröstelnd, das in den Sandlöchern Strandsegler zum Verweilen einlädt, zum kräftigen Treten auf der Stelle animiert, wenn verzweifelt versucht wird, den Wagen aus den kräftigen Pranken der Priele zu befreien. Natürlich darf auch ein Saunagang nicht fehlen. Bestens geeignet dafür sind die Trockenanzüge, wenn der Wind plötzlich einen Feiertag einlegt und aus der Yacht ein Schubverband wird. Und obendrauf, reichlich Adrenalin, wenn der Sturm in Böen zu einem kleinen Orkan aufbraust, der Strand einer Kraterlandschaft gleicht und die Segelwagen Pirouetten in den Sand tanzen.

All inclusive – das war die Osterregatta 2017 in Sankt Peter-Ording. Die Windvorhersage kannte nur eine Farbe: rot. Sechs Beaufort, in Böen sogar bis acht, das war angesagt. Grund genug für einige Piloten abzusagen. Ein reduziertes Feld Unerschrockener zog es am Samstag dennoch auf die Sandbank, begleitet von einem Team des NDR (hier der TV-Beitrag). Das erste Rennen der Klassen zwei und drei hatte es in sich. Der Wind heulte mit sechs Beaufort aus Westen. Das heißt: halber Wind. Und das heißt: Fullspeed! Vier Kilometer lagen zwischen den Wendemarken, dazwischen eine Piste wie aus 50 shades of grey. Mal weich, mal knüppelhart. Mal glatt wie Seide, mal ribbelig wie Kopfsteinpflaster. Mit Prielen, Kanten und Wasserlöchern, die gefühlt größer und tiefer waren als die Mecklenburgische Seenplatte. Und dazu eine gemessene Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Aus der Ferne waren die Segelwagen kaum zu erkennen, nur die Geysire, die in den Himmel schossen.

Arne Kelm blieb am Boden. Etliche Kilogramm Sand pressten seinen Wagen auf den Strand, wie ein Schneepflug düste er durch die Mondlandschaft, (fast) immer auf dem richtigen Weg. Andere versenkten ihre Yacht in den Fluten, konnten sie nur dank der Hilfe des Bergungsfahrzeugs dem Wasser wieder entreißen. Selbst Arnd Mahrt und Sven Harder auf den Plätzen zwei und drei konnten den Anschluss an Kelm nicht halten. Für Norbert Paulsen endete die Regatta, nachdem er unsanft eine Prielkante küsste, die Wanten dem Druck nachgaben und der Mast umknickte wie eine gefällte Birke. In der Klasse 2 war es Jens Markowitz, der die anspruchsvolle Strecke am besten meisterte. Wahrscheinlich sieht der Strand auf Juist immer so aus. Auf den Plätzen folgten Wolfgang Bartling und Andy Gerlach.

Bei den Mini-Yachten war die Strecke zwar kürzer, aber nicht weniger heftig. Alles wurde den Piloten abverlangt. Es hatte fast etwas von Ballett. In den Wenden drehten einige Piloten so viele Pirouetten, dass Nurejew neidisch gewesen wäre. Erst eine 360-Grad-Drehung, dann zwei, dann drei. Sogar fünf Kreisel bei einem Manöver wurden gezählt. Wenig überraschend war, dass der Dauer-Deutsche-Meister in dieser Klasse, Sven Kraja, auch mit diesen widrigen Bedingungen am Besten zurecht kam. Als sturmerprobt zeigten sich auch Harald Fien und Kay-Enno Brink, der an diesem Wochenende einen Ausflug von der Klasse-3 zu den Miniyachten machte. Als schnellste Frau kam Gitta Steinhusen auf den vierten Platz.

Das war Tag 1 der Osterregatta.

Am zweiten Tag sollte alles anders werden. Zwar blies der Wind am Morgen noch kräftig, verlor dann aber schnell seine Puste, so dass später sogar aufgrund von Flaute die Rennen abgebrochen werden mussten. Zumindest aber die Piste war konstant. Konstant schlecht. Die Klassen 2 und 3 starteten zu zwei Rennen. Und die hatten es in sich. Auf engem Raum mussten die Yachten nach dem Start zur ersten Wendemarke kreuzen. Oft lagen nur wenige Meter zwischen den Schlägen. Bug an Heck und Heck an Bug. Kollisionen blieben nicht aus. Im ersten Rennen barst die Planke von Sven Harder wie ein kariöser Zahn, der auf einen Kirschkern beisst. Vorausgegangen war ein Tumult zwischen drei Yachten. Beim zweiten Start erwischte es Karsten Meyer (hier ein Video von dem Start inklusive Kollision).

Auch an der Spitze des Feldes änderte sich einiges. Lokalmatador Arnd Mahrt ließ in den beiden Rennen dem Vortagessieger und amtierenden Deutschen Meister Arne Kelm keine Chance. Zwei erste Plätze am zweiten Tag bedeuteten für Mahrt auch den Gesamtsieg, vor seinem Widersacher aus Kiel. Auf den dritten Platz segelte Karl-Heinz Wendisch.

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Die Klasse-2, die sich selbst gerne auch als die Gentlemen-Klasse feiert, ließ es dementsprechend etwas gemächlicher angehen. Aber nicht lamngsamer. Mit insgesamt drei Siegen gewann der Juister Jens Markowitz ohne große Gegenwehr seiner Kontrahenten die Osterregatta, auf Platz zwei kam Wolfgang Bartling vor Andy Gerlach.

Bei den Miniyachten wurde bis zuletzt gekämpft. Gut, den Spitzenplatz wollte Dauerabonnent Sven Kraja nicht aus der Hand geben, aber um die Plätze zwei und drei wurde heftig an der Schot gezerrt. Am Ende schaffte es Kay-Enno Brink auf den zweiten Platz. Der Sieger der Herzen aber ist der erst 14-jährige Fynn Beugholt, der jüngste Starter des Feldes, der selbst an Ostern keinen Respekt vor einigen „alten Hasen“ kannte und auf den dritten Platz segelte. Schnellste Frau wurde Gitta Steinhusen auf Platz fünf.

Vincent

Grüße aus Husum. Von Vincent Letellier

Gute Besserung geht auf diesem Weg an Vincent Letellier. Dem Klasse-3-Piloten war am Sonntagmorgen auf dem Weg zum Start ein selbstverschuldetes Malheur passiert, das unglücklicherweise mit einem Beinbruch endete. Letellier musste nach Husum ins Krankenhaus gebracht werden. Ihm geht es soweit aber gut, schickt schon fröhlich Grüße aus dem Krankenbett.

Ergebnisse:

Osterregatta 2017 alle Klassen

 


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