Windsor statt Wind

Sankt Peter-Ording – Rasmus muss Royalist sein. Und so hielt der Gott des Windes am Samstag aufgeregt die Luft an, ob der Märchenhochzeit im Schloss Windsor. Für die Strandsegler, die an diesem Wochenende aus halb Europa angereist waren, um bei der internationalen Pfingstregatta schon einmal die Strecke für die Weltmeisterschaft im Herbst zu testen, waren das keine guten Nachrichten. Und so warteten sie und warteten und warteten seit dem frühen, sehr frühen Samstagmorgen auf den Marschbefehl der Rennleitung. Doch der sollte nicht erfolgen. Schlaff baumelten die Fahnen der teilnehmenden Nationen dröge an den Masten auf der Sandbank, die kleinen Schäufelchen an den Windmessern gähnten nur müde, egal, die hoch die Arme der Jury sich in den Himmel reckten. Flaute!

Für Gareth Rowland, den Klasse-2-Piloten aus dem Königreich, war das ein Segen. Das Clubhaus dekorierte er zu einer royalen Fanmeile um und lud zum Public Viewing der Traumhochzeit des Jahres. Mit Tränen in den Augen und Inbrunst in der Stimme verfolgte er die Zeremonie – umrahmt von den meist weiblichen Clubmitgliedern.

Erst Priel, dann Prellung

Nach der Hochzeit war vor den Rennen. Denn am Sonntag hatte die Windrichtung nicht nur eine 180-Grad-Kehre von West auf Ost hingelegt, es wehte auch anständig. Und so konnten die Spiele bei traumhaften Bedingungen beginnen. Der Strand glattgebügelt wie Harrys Paradeuniform der Blues and Royals bei der Vermählung, die Sonne so hell wie das Lächeln der Braut – und der Wind so launisch wie das Gesicht von Chelsy Davy in der Kirche, als ihr rothaariger Ex in der Kirche „Ja“ sagte. Die einzige Prielkante, die die Flut nicht geplättet hatte, plättete dann im ersten Rennen gleich den einzigen britischen Teilnehmer. Die Tränen der Rührung des Vortages wurden salziger. Rowland musste die Regatta abbrechen. Da er sich am Bein verletzt hatte, schickte Regattaarzt Otto Kloppenburg ihn vorsorglich zu einer Untersuchung ins Krankenhaus. Von dort gab es wenig später aber schon Entwarnung: Rowland hatte sich „nur“ eine schwere Prellung zugezogen. 

Mit dem Ausscheiden von Rowland wurde aus der „International classe deux“ wieder die „l’allemand classe deux“. Das rein deutsche Teilnehmerfeld dominierte mit zwei Siegen und einem dritten Platz der Juister Jens Markowitz. Auf Platz zwei folgte ihm aus dem Land der Bayern Andy Gerlach, der nach zwei vierten Plätzen das dritte Rennen für sich entscheiden konnte. Auf den dritten Platz segelte Kurt Wachkamp. Pech hatte Wolfgang Bartling, der in den beiden ersten Läufen auf Platz zwei gefahren war. Im dritten Rennen brach ihm das Springbord. 

Das Who-is-who der Klasse 3

In der Klasse 3 startete das Who-is-who der europäischen Strandsegelspitze. Sechs der acht bestplazierten der letztjährigen Europameisterschaft im britischen Hoylake gingen an diesem Pfingstwochenende in Sankt Peter-Ording an den Start, darunter das komplette Treppchen mit Europameister Ivan Ameele (Belgien), seinem Vize Olivier Imbert (Frankreich) und dem Lokalmatador Arnd Mahrt, der 2017 Bronze holte. Allerdings sollten die drei kein einziges der Rennen gewinnen. Im ersten Lauf sicherte sich Hans-Werner Eickstädt den Sieg. Doch in den beiden nächsten Rennen musste er nicht nur den Sieger Egon Plovier (Belgien) ziehen lassen, er wurde jeweils auf den vierten Platz durchgereicht. Dennoch reichte es in der Gesamtwertung noch für Platz zwei vor dem Teamkollegen Arnd Mahrt, der sich von Rennen zu Rennen steigerte. Mit diesem tollen Ergebnis gegenüber der europäischen Elite haben Eickstädt und Mahrt schon einmal ein Ausrufezeichen hinter ihre Ambitionen der Weltmeisterschaft vom 29. September bis 5. Oktober auf heimischer Strecke gesetzt. Der amtierende Europameister, Ameele, musste nach einem vierten und einem zweiten Platz im dritten Rennen aus gesundheitlichen Gründen passen. Ihren hohen Erwartungen nicht gerecht wurden der Kieler Arne Kelm (dreimal Platz acht) und der mehrfache Olympia-Teilnehmer im Tornado, Roland Gäbler, auf Platz elf. 

Alles beim Alten

In der wiedererstarkten Einheitsklasse Standart ist wieder Normalität eingekehrt, nachdem Sven Kraja bei seiner Stippvisite für etwas Irritation und Selbstzweifel gesorgt hatte. Und so ging an diesem Pfingstwochenende das alte Kräftemessen zwischen Manfred Nielsen und Waldemar Konopka in eine weitere Runde. Nach zwei Siegen in den beiden ersten Rennen reichte Nielsen im dritten Lauf der dritte Platz, um vor seinem Dauerkonkurrenten Konopka, der diesen Lauf gewann, die Gesamtwertung zu gewinnen. Punktgleich auf den dritten Platz kamen Roland Hess und Stephan Naujoks.

Eigentlich ist es egal, in welcher Klasse Mini-Europameister Sven Kraja an den Start geht. Ob bei den Minis, der Klasse 5 oder, wie erst kürzlich gesehen, bei den Standarts. Kraja kann es nicht lassen. Statt seine Gegner einfach zu besiegen, muss er sie gleich demütigen. Und so ist es auch kein Wunder, dass Kraja, diesmal in der Klasse 5 am Start, natürlich alle drei Läufe gewonnen hat, jeweils vor Heiko Hartmann und Eckhard Stiller. 

Ein Maxi siegt bei den Minis

Bei den Minis gewann diesmal ein Maxi. Mehrere Flautenrennen hatten in der Vergangenheit Olaf Weber stark zugesetzt. Denn die Kombination aus wenig Wind und Masse ist am Strand suboptimal. Der Pfingstsonntag aber war nun mal genau nach dem Geschmack des ehemaligen Klasse-3-Piloten. Und so drehte Weber Runde um Runde und fuhr das Damen-Powerduo Barbara Starke und Gitta Steinhusen (immerhin Europas schnellste Frauen in der Miniklasse) schwindelig. Nach sieben Rennen war Weber sicherlich erleichtert – und konnte den ersten Regattasieg in der Mini-Klasse auf seiner Haben-Seite verbuchen. Zweite wurde Gitta Steinhusen vor Barbara Starke. 


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