Zeit für Gefühle

Sankt Peter-Ording (jeb) – Irgendwann muss es doch reißen, denkt man. Tut es aber nicht. Kurt Wachkamp dehnt das „ü“ wie es sonst nur Atze Schröder kann. „Hier, ne! Gefüüüühl“, spricht der Mann aus dem Pott und reibt die Kuppen von Daumen und Zeigefinger, als prüfe er die Qualität von Samt. Sein Grinsen ist breiter als der Strand bei Ebbe, als er das Segel seiner Klasse-2-Yacht mit der Nummer G5 einrollt. Und immer wieder hört er den einen Satz: „War genau Dein Wind heute, oder?“

Kurt Wachkamp in seiner Yacht. Fotos Kai-Uwe Eilts und Jutta Dorrenbach

Dann lacht Wachkamp, zuckt fast entschuldigend die Schultern, freut sich und erklärt, warum das wirklich sein Tag, ach was, sein Wochenende war. Denn diesmal ging es eben um „Gefüüüühl“, das Millimeterspiel an der Schot, das Feintuning. Das kann er. Das macht ihm Spaß. Wenn der Wind nur schwach über die Sandbank haucht, dann ist der amtierende Deutsche Meister um so stärker. Und bei Starkwind, naja, dann prasselt eher der Sand und Schlamm, den der Dauerrivale und Juister Jens Markowitz aufwirbelt, an sein Visier. Wie noch in den beiden ersten Rennen des Friedrich-Gerlach-Pokals, dem fünften und vorletzten Block zur Qualifikation der Europameisterschaft, die Ende September für die Klassen 2, 3 und 5 im englischen Hoylake stattfindet. Da war noch Wind, da siegte Markowitz. Doch als der ging, kam Wachkamp – und blieb. An der Spitze. Daran konnten auch Wolfgang Bartling und Andy Gerlach nichts ändern, die jeweils einen Sieg einfuhren. Karsten Meyer, am ersten Tag noch mit zwei zweiten Plätzen auf Podestkurs, hatte am Sonntag anscheinend mit den Nachwirkungen seiner Geburtstagsfeier zu kämpfen.

Für 50 noch ganz passable in Schuss: Karsten Mayer

Es war ein Wochenende wie gemalt in drei Farben. Der Himmel blau, die Sonne gelb, der Strand gleißend weiß. Die Touristen strömten ans Wasser, gaben sich dem Müßiggang hin – und selbst der Wind gesellte sich dazu und wollte anscheinend nur relaxen. Trotzdem konnten in allen Klassen sechs Rennen gesegelt werden. Vier am Samstag, zwei am Sonntag.

Das Wasser, das erst am späten Mittag den Strand ausspuckte, hinterließ eine harte Piste mit vielen Rillen und Ribbeln – und tiefe Wasserlöcher, groß genug, um eine Miniyacht komplett zu versenken.

Badetag in der Miniklasse

Bei den Miniyachten lieferten sich Sven Harder und Kay-Enno Brink wilde Zweikämpfe um den Gesamtsieg. Die beiden Piloten, die eigentlich in der Klasse 3 starten, wollen dieses Jahr in der Miniyacht für Deutschland bei der Europameisterschaft in Irland an den Start gehen. Zusammen mit Sven Kraja, der dieses Wochenende pausierte, haben sie ihre Erwartungen in der Mannschaftswertung hoch gesteckt. Und so fighteten die beiden erbittert um jedes Rennen. Doch einen Sieger fanden sie nicht. Mit jeweils drei Siegen mussten die beiden sich den Sieg teilen. Zweiter wurde Harald Fien.

Sven Harder (Bild) teilte sich den Sieg mit Kay-Enno Brink

Auch in der Klasse 3 pausierten mit Hans-Werner Eickstädt und Arne Kelm zwei der Top-Drei-Fahrer. Von der Statistik her schien der Sieg für Arnd Mahrt daher bereits vor dem Start gesetzt. Doch da war ja noch der Belgier Ivan Ameele, der bereits mehrmals Regatten in Sankt Peter-Ording gewinnen konnte. Im ersten Rennen konnte Arnd Mahrt Ameele noch auf Platz zwei verweisen, doch dann gab es für den Belgier kein Halten mehr. Die nächsten drei Rennen gewann er – das vierte sogar mit einem sagenhaften Vorsprung. Am Sonntag verzichtete Ameele auf die Starts (belegte aufgrund eines Streichers aber in der Gesamtwertung immer noch Platz zwei), so dass Arnd Mahrt das Feld wieder ungefährdet anführte. Auf Platz drei segelte Norbert Paulsen und feierte in seiner neuen Yacht eine gelungene Premiere. Ihr Debüt in der Klasse-3 gab Anke Münch, die den schwierigen Bedingungen trotzte und sich bravurös schlug.

Familienbande: Paul und Arnd Mahrt

Bei der internationalen Pfingstregatta werden die Karten neu gemischt. Dann sind wieder alle Top-Piloten aus Deutschland am Start. Aber die Konkurrenz aus Belgien, Frankreich und Holland wird ihnen alles abverlangen.

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